Befragung

Umfrage zur Beschäftigungssituation des akademischen Mittelbaus an der Universität Leipzig

Download: MULE Praesentation Umfrageergebnisse vom 04.11.2015

Insgesamt konnten von der MULE 607 vollständig ausgefüllte Fragebögen unter der Leitung des frei schaffenden Soziologen Matthias Rosendahl (http://matthias-rosendahl.de/) ausgewertet werden. Die repräsentative Stichprobe umfasst 436 wiss. Mitarbeiter, 50 LfbA, 47 WHK, 44 Stipendiaten (Doktoranden/Habilitanden), 22/17 Lehrbeauftragte (bezahlt/unbezahlt), 11 externe Doktoranden/Habilitanden, 11 nicht wiss. Mitarbeiter, 8 Mitarbeiter im Wissenschaftsmanagement, 4 Juniorprofessoren, 3 Vertretungsprofessoren, 2 Professoren und 1 Mitarbeiter mit Honorar- /Werkvertrag. Dabei waren alle 14 Fakultäten ausgewogen vertreten.

Die MULE hat in der Umfrage auch nach Anekdoten gefragt. Eine Auswahl von 24 werden ab 01.12. auf https://www.facebook.com/mittelbauinitiative.leipzig/ und auf der MULE Homepage als Adventskalender veröffentlicht.

Auch in der kommenden Zeit sollen die vorliegenden Daten weiter ausgewertet werden und in die Positionierungen der MULE einfließen. Dazu treffen sich regelmäßig einzelne AGs, bspw. am 1.12. die AG Umfrage oder am 2.12. die AG Hochschulpolitik. Am 15.12. tritt dann wieder das MULE-Plenum zusammen.

Ausgewählte Ergebnisse – Zusammenfassung

Die Umfrage umfasste Fragen (i) zum jeweiligen Arbeitsverhältnis und Vertrag, (ii) zur Befristung, (iii) zu den Arbeitsbedingungen, (iv) zur Zufriedenheit, (v) zu Perspektiven sowie (vi) zu gesundheitlichen Aspekten und kulminierte zu (vii) Forderungen, die eine Mittelbau-Vertretung stellen sollte.

Repräsentativität

Mit 607 verwertbaren Fragebögen ist die Befragung für die Grundgesamtheit von 5409 (Universität Leipzig, Jahresbericht 2014, S. 18) Personen des wiss. Personal sowie weitere Angehörigen des Mittelbaus der Universität Leipzig repräsentativ.

 Befristung

78% der Stellen sind befristet, im Durchschnitt auf 2 Jahre. Fast 40% haben Verträge mit einem Jahr Laufzeit oder kürzer. Eine Entfristung erscheint den allermeisten sehr unwahrscheinlich. Über ein Drittel erwartet nach Ablauf des Vertrages Arbeitslosigkeit.

Verträge und Arbeitszeit

Durchschnittlich arbeiten die Teilnehmer_innen seit 5,7 Jahren an der Universität Leipzig und haben 1,2 Verträge pro Jahr. Knapp die Hälfte hat einen Vertrag für 20 Stunden/ Woche oder weniger. Im Durchschnitt werden von allen 38,5 Arbeitsstunden und dabei 11 Überstunden in der Woche geleistet.

 Zufriedenheit

Über ein Drittel ist mit den Arbeitsbedingungen allgemein unzufrieden. Zufriedenheit herrscht bei Flexibilität, Arbeitsklima und den Arbeitsinhalten. Große Unzufriedenheit besteht wegen beruflicher Unsicherheit, mangelnden Perspektiven, Befristung mit kurzer Vertragslaufzeit und hohem Arbeitspensum.

 Perspektiven

Über die Hälfte strebt als „Karriereziel“ eine unbefristete Stelle im Mittelbau an, ein Viertel eine Professur. Fast 80% halten dieses Ziel jeweils für unwahrscheinlich zu erreichen. Zwei Drittel können nicht mit Bestimmtheit sagen, an welcher beruflichen Position sie in 2 Jahren sind; drei Viertel in 5 Jahren. Über die Hälfte weiß nicht, womit sie in 2 Jahren ein Einkommen erzielt. Allgemein wird verneint, dass der Hochschulbetrieb eine berufliche Perspektive bietet (69% allgemein; speziell für Uni Leipzig 83%).

 Gesundheit und Belastung

Die meisten Befragten leiden gelegentlich bis immer an körperlichen oder psychischen Beschwerden. Am häufigsten sind Erschöpfung, Rückenschmerzen, Nervosität, depressive Stimmungen und Schlafstörungen. 82% sehen persönlich einen Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und mindestens einer dieser Beschwerden. Am stärksten belasten fehlende berufliche Perspektiven, die Gefährdung des eigenen Arbeitsplatzes, hoher Zeitdruck und das Arbeitspensum.

 

Download: MULE Praesentation Umfrageergebnisse vom 04.11.2015

One thought on “Befragung

  1. Man sollte das Problem der Stellenkürzungen und -befristungen auch einmal aus der Sicht der Studentinnen und Studenten betrachten. Dann muss man leider feststellen, dass die Befristung wissenschaftlicher Stellen auch stark zu deren Lasten geht. Dem aktuellen Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs und der Kommentierung der GEW zufolge (siehe z.B. die Zusammenfassung bei https://www.textundwissenschaft.de/2017/05/02/1272/ ) hat sich bislang nicht wirklich etwas zum Besseren gewendet. Nach wie vor hat die Mehrzahl der Nachwuchswissenschaftler nur sehr begrenzte Chancen, eine echte Lebensplanung zu machen – wie sollen sie es da ihren Studentinnen und Studenten beibringen? Ich sehe hier die politisch Verantwortlichen, aber auch die Hochschulleitungen selbst gefordert, eine für alle betroffenen Gruppen akzeptable Lösung zu finden. Das Geld kann letztlich in einem reichen Land wie Deutschland nicht die Ausrede sein. Studierende und Hochschulbeschäftigte sollten hier versuchen, gemeinsam mehr zu erreichen – im beiderseitigen Interesse.

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