Vortrag „Neue Karriereoptionen für den akademischen Mittelbau“

Die Research Academy Leipzig lädt am 24. Januar 2020 ab 14 Uhr zum Austausch über neue Karriereoptionen für den akademischen MIttelbau.

In seinem Vortrag „Das Modell des Senior Researchers & Senior Lecturers“ wird Prof. Dr. Andreas Breiter von der Universität Bremen die dort 2017 eingeführten Personalkategorien (Senior) Researcher und (Senior) Lecturer als alternative Karrierewege im akademischen Mittelbau vorstellen. Dabei handelt es sich um wissenschaftlich selbstständige und unbefristet beschäftigte Positionen im akademischen Mittelbau, die nur über ein Tenure-Verfahren zu erreichen sind.

Prof. Dr. Andreas Breiter ist Konrektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Transfer der Universität Bremen. Nach seinem Vortrag ist das Publikum herzlich eingeladen mit Prof. Breiter zu diskutieren.

Ort: Villa Tillmanns, Wächterstr. 30, 04107 Leipzig

Strohfeuer statt Leuchttürme? Spitzenforschung an Universitäten zwischen Befristung und Burnout

Etwa 160.000 wissenschaftliche Mitarbeiter*innen arbeiten an deutschen Hochschulen. Sie schreiben Doktorarbeiten, unterrichten Studierende, organisieren Konferenzen, forschen in Laboren, Bibliotheken und auf Ausgrabungen und vieles mehr. Ohne sie wäre der Universitätsbetrieb nicht möglich. Was allgemein kaum bekannt ist: Über 90% dieser wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen sind befristet angestellt. Fast die Hälfte hat Arbeitsverträge von sechs Monaten oder kürzer. Nach zwölf Jahren ist aufgrund gesetzlicher Regelungen für mehr als 80% Schluss mit der Karriere. Viele kluge Köpfe gehen damit der Wissenschaft verloren; oft finden sie im Ausland bessere Anstellungen.

Der Vortrag „Strohfeuer statt Leuchttürme? Spitzenforschung an Universitäten zwischen Befristung und Burnout“ im Rahmen des Studium Universale stellt die Situation der wissenschaftliche Mitarbeiter*innen in Deutschland und Leipzig vor – an Hand von Daten und Fakten. In einem zweiten Schritt wird präsentiert, was an dieser Situation verbessert werden kann: Dazu wurde von der Mittelbauinitiative ein „Personalmodell für die Universität Leipzig“ erarbeitet; dieses wird hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch die Betreffenden selbst sollen nicht zu kurz kommen: Talentierte Leipziger Forschende berichten aus ihren faszinierenden Projekten – aber auch von den prekären Bedingungen, unter denen sie arbeiten.

Dr. Franziska Naether und Stefanie Wiemer vertreten die Mittelbauinitiative der Universität Leipzig (MULE).

Update: Interessierte finden die Vortragsfolien hier als PDF zum Download.

Statement zum Koalitionsvertrag

CDU, SPD und Grüne haben sich in Sachsen auf einen Koalitionsvertrag geeinigt, der auch die Zukunft des Mittelbaus an Hochschulen thematisiert.

„Wir freuen uns, dass die Schaffung neuer auf Dauer angelegter Personalkategorien bei den akademischen Mitarbeitern Eingang in den Vertrag gefunden hat. Das bietet die Möglichkeit Nachhaltigkeit und damit Qualität in Forschung und Lehre an der Universität Leipzig zu stärken. Die Koalitionspartner bringen damit ihre Anerkennung und Wertschätzung für die Leistungen zum Ausdruck, die die wissenschafltichen Mitarbeiter bis jetzt meist unter prekären Bedingungen tagtäglich für Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement erbringen.“ sagt Thomas Riemer

Weiterhin enthält der Koalitionsvertrag Aussagen zur Verbesserung der Hochschulfinanzierung. „Die Verstetigung von Stellen durch die Mittel aus dem Zukunftsvertrag und den Aufwuchs von Planstellen an den sächsischen Hochschulen begrüßen wir“, so Stefanie Wiemer, Sprecherin der MULE.

Die MULE wird diesen Prozess auch zukünftig begleiten und steht weiterhin für konstruktiven Austausch zur Verfügung.

Offener Brief: Für eine Wende in der sächsischen Bildungspolitik

Sehr geehrte Verhandelnde der CDU, Bündnis 90/Die Grünen und SPD, Wir, die im sächsischen Bildungsbereich lernen und arbeiten, sind immer noch schockiert von den Ergebnissen der Landtagswahlen. Dass Ihre Parteien nun miteinander in Koalitionsverhandlungen treten und damit die AfD voraussichtlich nicht Teil der nächsten Landesregierung sein wird, begrüßen wir ausdrücklich. Allerdings betrachten wir eine Schwarz-Grün-Rote Landesregierung keinesfalls als Garant für bildungspolitischen Fortschritt. Dieser ist jedoch notwendig, um gegenwärtigen Entwicklungen, wie dem hohen öffentlichen Zuspruch zu rechtsextremen und menschenfeindlichen Positionen in Sachsen und Deutschland, in den nächsten Jahren mit einer progressiven und weltoffenen Bildungslandschaft etwas entgegenzusetzen. Deshalb möchten wir mit diesem Brief einen Appell an Sie richten, die bildungspolitischen Missstände in Sachsen zu erkennen und mit
ihrer Regierungsarbeit entschieden anzugehen.

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Mittelbauinitiativen fordern Rektorate auf, sich von der „Bayreuther Erklärung“ zu distanzieren

Die Landesvertretung akademischer Mittelbau Sachsen und die Mittelbauinitiativen der TU Dresden sowie der Universität Leipzig fordern die Rektorate der vier sächsischen Universitäten dazu auf, sich von der „Bayreuther Erklärung“ der Kanzlerinnen und Kanzler deutscher Universitäten zu distanzieren. Die Reduzierung der Universitäten auf ein reines „Qualifizierungssystem“ werde weder den Arbeitsrealitäten des akademischen Mittelbaus noch den gesellschaftlichen und rechtlichen Anforderungen gerecht, die an Hochschulen gestellt werden. Damit Universitäten als Ort von Forschung und Lehre funktionieren, brauche es gute Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen. Die Initiativen vertrauen darauf, dass CDU, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und SPD in möglichen Koalitionsverhandlungen ein umfassenderes Verständnis von der Institution Universität beweisen, als es die Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten offenkundig haben, und die Weichen für eine gute Personalpolitik an sächsischen Hochschulen stellen.

Was wir brauchen, ist eine Ende des Befristungswahnsinns an den Universitäten und den Einstieg in eine moderne und den Aufgaben in Forschung und Lehre angemessene Personalstruktur. Das heißt nicht nur, dass wir uns darüber verständigen müssen, was wir unter wissenschaftlicher Qualifizierung an Hochschulen verstehen. Wir müssen insgesamt weg von einer Kultur, in der allein ein weit in die Zukunft verlagertes Karriereziel Professur den Verbleib in der Wissenschaft garantiert. Wir brauchen unbefristete Stellen neben der Professur, um der Tatsache gerecht zu werden, dass diese Mitarbeiter*innen bereits Daueraufgaben in Forschung und Lehre übernehmen.“ Benjamin Engbrocks, Referatsleiter Hochschule und Forschung der GEW Sachsen.

Auf der letzten Personalversammlung an der Universität Leipzig wurde berichtet, dass 40 % der befristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität einen Vertrag von nicht länger als 6 Monaten haben. Darunter dürfte ein nicht unerheblicher Anteil an Kolleginnen und Kollegen mit Doktortitel oder Habilitation sein. Wenn die befristete Beschäftigung tatsächlich der Qualifizierung von Fachkräften für Wirtschaft und Verwaltung dient, wie es die Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten ja behaupten, dann würde mich schon einmal interessieren, wofür auf einer Stelle von unter sechs Monaten denn hier konkret noch qualifiziert wird?“ Stefanie Wiemer, Mittelbauinitiative der Universität Leipzig (MULE)

Ich möchte den Kanzlerinnen und Kanzlern der sächsischen Universitäten einen Blick in das sächsische Hochschulgesetz empfehlen. In § 5 werden die Aufgaben der Universitäten in fünf Absätzen erläutert. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses – und dazu dürfte die wissenschaftliche Qualifizierung ja gehören – ist dabei nur einer von insgesamt dreizehn Unterpunkten im zweiten Absatz. Wenn die Kanzlerinnen und Kanzler nun alle Beschäftigung im Mittelbau als Qualifizierung deklarieren, dann wird dies vielleicht ihrem Bedürfnis nach uneingeschränkter Flexibilität im Umgang mit Personal gerecht, es wird aber nicht den Aufgaben gerecht, die die Hochschulen laut Gesetz zu erfüllen haben.“ Dr. Mathias Kuhnt, Landesvertretung akademischer Mittelbau (LAMS)

Last but not least wirkt sich diese Personalpolitik ganz konkret auf die Arbeit des wissenschaftsunterstützenden Personals aus und bedeutet einen immensen Mehraufwand sowohl in den oft unterbesetzten Sekretariaten als auch in der Universitätsverwaltung, die mit Viertel- oder halben Stellen dieses System der Unterfinanzierung mit unbezahlter Mehrarbeit und Dauerüberlastung ausgleichen müssen. Haben sich jemals Politiker für den Arbeitsalltag des nichtwissenschaftlichen Personals interessiert?“ Katrin Kindermann, Mittelbauinitiative der TU Dresden (mid)

Hintergründe:

Kein neuer Stellenabbau an sächsischen Hochschulen!

Die bekannt gewordenen Pläne der CDU Sachsen, eine Aufstockung der Medizinstudienplätze an den Hochschulen mit Mitteln aus dem „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ zu finanzieren, gefährdet die Qualität der Lehre massiv und wird die zukünftige Betreuung der Studierenden deutlich verschlechtern.
„Damit stehen die Pläne im klaren Widerspruch zu den Zielen des ‚Zukunftsvertrags‘ und die CDU muss sich fragen lassen, ob sie eine Verbesserung der Landarztquote in zehn oder fünf-zehn Jahren wirklich auf Kosten einer umgehenden Qualitätseinbuße in der Lehre aller anderen Fachbereiche durchsetzen will. Probleme löst man nicht, indem man neue Probleme schafft,“ sagt dazu Dr. Thomas Riemer, Sprecher der Mittelbauinitiative an der Universität Leipzig (MULE).

Mit dem „Zukunftsvertrag“ soll in Fortführung des Hochschulpaktes eine dauerhafte Beschäfti-gung von Lehrpersonal an den Hochschulen umgesetzt werden. In Sachsen wurde bisher mit den Mitteln des Hochschulpaktes schwerpunktmäßig der Mehrbedarf an Lehrpersonal in den Lehramtsstudiengängen gedeckt. Die geplante Abzweigung von 20 Mio. € für die Schaffung neuer Medizinstudienplätze würde etwa 300 Stellen in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern gefährden, also nicht nur in den Erziehungswissenschaften, sondern überall dort, wo Lehramtsstudierenden Fachinhalte vermittelt werden.

„Die Lehre am Institut für Germanistik, dem größten Institut der größten Fakultät an der Uni-versität Leipzig mit 75 % Lehramtsstudierenden, würde ohne die bisher aus dem Hochschulpakt finanzierten Stellen zusammenbrechen. Sachsen hat einen krassen Lehrermangel. Was ist das für eine Politik, Herr Ministerpräsident Kretschmer?“ fragt Dr. Silke Horstkotte als betroffene Mitarbeiterin.

Auf den „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ hat sich die Gemeinsame Wissen-schaftskonferenz (GWK) am 3. Mai 2019 als Nachfolge des „Hochschulpaktes“ geeinigt. Der Hochschulpakt war 2006 ins Leben gerufen worden. Er läuft Ende 2020 aus und wird durch die unbefristete Vereinbarung „Zukunftsvertrag“ ersetzt. Das Ziel dieses Vertrags ist, „eine flächendeckend hohe Qualität von Studium und Lehre, gute Studienbedingungen in der Breite der deutschen Hochschullandschaft sowie de[n] bedarfsgerechte[n] Erhalt der Studienkapazitäten in Deutschland“ (Zukunftsvertrag, §1, Satz 1) zu ermöglichen. Daher sind die Länder angehalten, bei der Verwendung der Mittel „Schwerpunkte insbesondere beim Ausbau von dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen des hauptberuflichen […] Personals an den Hochschulen“ (Zukunftsvertrag, §1, Satz 2) zu setzen. Die Schaffung neuer Studienplätze sieht der „Zukunftsvertrag“ dagegen nicht vor.

Wir möchten die Notwendigkeit der Einrichtung zusätzlicher Medizinstudienplätze zur langfristigen Verbesserung der Landarztquote in Sachsen gar nicht grundsätzlich in Frage stellen. Jedoch kann die sächsische CDU unserer Ansicht nach nicht darauf hoffen, die dafür benötigten finanziellen Mittel auf der Grundlage des Zukunftsvertrags zu erhalten. Diese sind laut Vertrag nicht für die Finanzierung neuer Studienplätze einsetzbar. Vielmehr müssen die neu einzurichtenden Studienplätze aus Haushaltsmitteln des Landes selbst finanziert werden.

Gutmütigkeit des Mittelbaus gewährleistet Leistungsfähigkeit der Universität Leipzig

An mindestens einem Institut der Universität Leipzig ist die Leistungsfähigkeit in der Betreuung von Bachelor- und Master-Arbeiten nur noch gegeben, wenn die aus Mitteln des Hochschulpakts bzw. durch Überlastpakete befristet beschäftigten Mitarbeiter bereit sind über ihre Vertragslaufzeit hinaus Bachelor und Master-Arbeiten zu betreuen.

Die Politik ist gefordert die bisher befristet ausgereichten Überlastpakete dauerhaft zu gewähren, und den Universitäten eine dauerhafte Anstellung ihres Personals im wissenschaftlichen Mittelbau zu ermöglichen.

Und die Universitäts-Leitung ist aufgefordert die dauerhafte Anstellung auch vorzunehmen.

Bundesweiter Warnstreik! Auch an der Universität Leipzig.

Als Mittelbauinitiative der Universität Leipzig unterstützen wir den Aufruf der GEW Sachsen zum Warnstreik am 12. Februar in Leipzig.

In den Tarifverhandlungen haben die Arbeitgeber keine Bereitschaft gezeigt, den Gewerkschaften entgegen zu kommen. Es gibt von den Ländern

  • kein Angebot die Befristungsquote von 90 Prozent im akademischen Mittelbau mit tariflichen Mitteln zu senken.
  • keine Bereitschaft, tarifliche Regelungen für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte abzuschließen.

Die Hochschulgruppe der GEW trifft sich am Dienstag um 10.30 Uhr im Innenhof des Campus Augustusplatz, um die Arbeit niederzulegen und für die Belange der Beschäftigten an der Universität Leipzig zu streiken. Gemeinsam mit allen studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des akademischen Mittelbau, die sich solidarisch erklären, geht es von dort zur zentralen Kundgebung am Richard-Wagner Platz, um den Forderungen der Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen.

Jede*r kann streiken. Deshalb schließt euch an!

MULE homepage wird wieder aktuell gehalten

Liebe Mitglieder des akademischen Mittelbaus der Universität Leipzig,

und

Liebe Interessierte,

die letzte Meldung auf unserer Homepage war die Einladung zur Vollversammlung im
November 2017. Danach wurde es still bis heute den 21.08.2018.

Wir sind gerade dabei mit Erfolg eine Phase der Erneuerung durchzumachen.
Nachdem in 2017 die Aktiven in der MULE immer weniger wurden und auch immer weniger
Zeit aufbringen konnten, haben wir in 2018 angefangen (i) die Einladung zum Plenum weiter zu streuen, und (ii) mit einer kleinen/kurzen Umfrage und der Möglichkeit für weitere Kommentare/Anregungen zu versehen.

Der Kreis der Aktiven hat sich in 2018 mit jedem Plenum der MULE im Februar, Mai Juni und August vergrößert. Wir hoffen, dass dieser Trend anhält, damit wir noch mehr für den Mittelbau wichtige Themen ohne zu starke Belastung des Einzelnen bearbeiten können.

An dieser Stelle schon einmal vielen Dank an Alle, die sich für den Mittelbau engagieren und eine Ermunterung an Alle, die sich gerne einbringen möchten. Die MULE ist immer offen für Neues:
neues Thema/Aktion auf dem Plenum vorstellen -> besprechen -> loslegen.

Viele Grüße Thomas Riemer (1/3 Sprecher der MULE)